Haarausfall nach der Geburt

Fast jede Frau kennt’s, und doch wird sehr wenig darüber gesprochen. Den Haarausfall, der nach 3-4 Monaten nach der Geburt plötzlich eintreffen kann, erleben manche Frauen als sehr heftig. Es hilft die Gründe dafür zu kennen. Glücklicherweise gibt es ein paar Sachen die wir machen können, damit die Haare wieder kommen. Am allermeisten braucht es (zumindest am Anfang) eine Portion Selbstliebe und Geduld, und ein paar schöne Haaraccessoires!

Die Wissenschaft

Während der Schwangerschaft berichten die meisten Frauen davon, wunderschöne Haare zu haben. Sie glänzen, haben viel Volumen und scheinen schneller zu wachsen. Dies hat direkt mit der Schwangerschaft zu tun. Interessanterweise ist es aber eigentlich nicht der alleinige Grund, dass die Haare in der Schwangerschaft schneller wachsen… es wirkt nur so. Schauen wir also, was die wirkliche Erklärung dafür ist:

Eigentlich fallen während der Schwangerschaft sehr wenige Haare aus, dafür fallen die, die hätten ausfallen müssen, dann halt im Wochenbett und darauf aus. Gemein oder?

Weibliche Hormone sorgen während der Schwangerschaft dafür, dass die Haare besser, stärker und länger wachsen. Während der Schwangerschaft steigt der Östrogenspiegel stark an. Tatsächlich gibt es während einer Schwangerschaft mehr Haare in der Wachstumsphase und somit weniger Haare, die ausfallen. Dies kann zu dickerem Haar führen, das besonders gesund und kräftig aussieht.

Nach der Schwangerschaft normalisiert sich der Östrogenspiegel und der Haarzyklus kehrt zu einem Normalzustand zurück. Alle Haare, die während der Schwangerschaft nicht ausgefallen sind, fallen nun raus. Das merken viele Mamas ganz plötzlich, als überall Haare zu finden sind – im Duschablauf, am Pullover, Kopfkissen, sogar am Baby. Dies macht sich besonders bemerkbar, da der Haarausfall gleichmässig über den ganzen Kopf verteilt ist (dies nennt sich diffuser Haarausfall). 

Haar-Accessoires wirken vorübergehend super – am Arm oder im Haar! Credits: Tessa Wilson, Unsplash

Was erleben die meisten Mütter?

Ein paar Monate nach der Geburt kann der deutliche Haarausfall beginnen. Er beginnt normalerweise drei bis sechs Monate nach der Geburt und hält ein paar Monate an. Die gute Nachricht ist, dass dieser übermässige Haarausfall vorübergehend ist und die Haare wieder nachwachsen werden – wie schnell und wie dick ist aber sehr unterschiedlich.

Die gute Nachricht ist, dass dieser übermässige Haarausfall vorübergehend ist und die Haare wieder nachwachsen werden – wie schnell und wie dick ist aber sehr unterschiedlich.

Sind wir ehrlich – die Zeit nach der Schwangerschaft ist sowieso häufig mit einigen Herausforderungen verbunden. Dadurch werden dem Körper Energie sowie auch wertvolle Nährstoffe entzogen, die für ein gesundes Haarwachstum extrem wichtig wären. Ganz verhindern können wir es nicht. Wir können aber dagegen wirken, in dem wir ganz gut auf uns Acht geben und diese wertvollen Nährstoffe auch ersetzen und ergänzen. 

Der Körper braucht viel Energie, um die zahlreichen Herausforderungen nach der Geburt zu bewältigen, doch die körpereigenen Energiereserven sind begrenzt. Es ist daher möglich, dass nicht genügend Energie an die Haarwurzeln kommt, weil die Energie an anderen Stellen des Körpers dringender benötigt wird.

Was kannst du tun?

Grundsätzlich gehts darum, abzuwarten bis es langsam wieder besser wird – denn es geht vorbei und neue Haare werden wieder wachsen! Haarausfall nach der Geburt ist richtig gemein, und es darf ruhig öfters darüber gesprochen werden. In der Zwischenzeit kannst du aber auf ein paar Sachen achten, damit deine Haargesundheit sich schneller erholen kann. Im Folgenden gehe ich auf ein paar Bereiche ein – deine mentale Befindlichkeit, Ernährung, Pflege und Alltag.

Stress

Stress kann sich in verschiedenen Formen zeigen. Alleine schon ein langfristiger Schlafmangel im Wochenbett, das Schaukeln verschiedener Bedürfnisse und fehlende Unterstützung können zu psychischer und körperlichen Erschöpfung führen. Erheblicher Stress führt dazu, dass mehr Haarfollikel als sonst in die Ruhephase kehren, was bedeutet, dass sie eher ausfallen.

Um Stress im Wochenbett zu bewältigen hilft es also, vor der Geburt schon einen soliden Plan für das Wochenbett und danach zu haben. Somit könnt ihr gewährleisten, dass nicht nur für das Baby alles organisiert ist, sondern eben auch auf die Mama geschaut wird.

Folgende Sachen sind auch eine grosse Hilfe, um Alltagsstress entgegen zu wirken:

  • Heilung angehen – mit einer Fachperson sprechen, Austauschmöglichkeiten finden, deine Geburt verarbeiten, eine Wochenbettdoula engagieren
  • Meditation und Yoga (es gibt auch wunderbare online Angebote)
  • Journalling (Tagebuch oder freies Schreiben)
  • Atemtechniken
  • die Kopfhaut lüften 
  • Psychotherapie, Begleitung durch einen Coach oder Therapeut*in

Ernährung

Eine gesunde und nahrhafte Ernährung während und nach der Schwangerschaft kann wirklich vorteilhaft sein, um Haarausfall zu verhindern und deine Gesundheit zu erhalten. Oft schaut eine Mama während einer Schwangerschaft gut auf sich, und vernachlässigt dies ist dann im Wochenbett. Leider vergessen Mamas im Wochenbett zu schnell, dass sie sich weiterhin gesund ernähren müssen und auf sich achten müssen. Gerade auch bei stillenden Mamas ist es super wichtig, viel Flüssigkeit zu trinken und sich ausgewogen zu ernähren, um alle verlorenen Mineralien und Nährstoffe aus dem Körper möglichst wieder aufzufüllen. Grundsätzlich: viel Eiweiss und viel Eisen (das geht auch vegetarisch oder vegan!)

Lebensmittel aus diesen Gruppen sind für eine gesunde Ernährung optimal:

  • Saisonale Früchte und Beeren
  • Grünes Blattgemüse wie Spinat
  • Süßkartoffeln
  • Nüsse und Leinsamen
  • Bohnen
  • Sojareiche Lebensmittel
  • Hirse – im Müesli, Suppen oder im Brot
  • Vollkornbrot oder Vollkornteigwaren

Folgende Lebensmittel sind reich an Antioxidantien und bieten ebenfalls einen tollen Schutz für die Haarfollikel:

Brokkoli, Spinat, Karotten and Kartoffeln sind alle reich an Antioxidantien. Je nach Saison/Wohnort sind auch Artischoken, Spargeln, Weisskohl, Avocados, Rande, Radieschen, Salat, verschiedene Kürbissorten und dunkelgrünes Blattgemüse super Lebensmittel gegen Haarausfall. Auch lohnt es sich, mit Gewürzen zu experimentieren – gerade Kurkuma oder Kümmel passen in viele Gerichte und sind absolute Superfoods.

Dann ist es natürlich sinnvoll, dass du täglich genügend trinkst – viel Wasser ohne Kohlensäure, alternativ auch Tee (nicht zu viel Schwarztee!) oder und alles was zum guten Zeug gehört – ab und zu leiste ich mir beispielsweise einen frischen grünen Saft oder ein Kokosnusswasser.

Ganz wichtig: Dein Vitaminpräparat aus der Schwangerschaft solltest du unbedingt weiterhin in der Stillzeit einnehmen – ja nicht vergessen! Niemand wird dich daran erinnern, so wie es teilweise in der Schwangerschaft bsp während Blutkontrollen der Fall ist. Ein Tipp noch dazu: Am besten auch ein Stillfreundliches Biotin zusätzlich nehmen.

Ein gutes Vitaminpräparat sollte Folgendes enthalten:

  • Vitamin B und/oder Biotin (B7)
  • Eisen
  • Vitamin C
  • Vitamin E
  • Zink

Zu guter Letzt: Idealerweise solltest du nicht länger als 4 Stunden zwischen einer Mahlzeit lassen, weil sonst die Energie, die gebraucht wird um unter anderem die Haarfollikel zu stärken, dabei verloren gehen könnte! Lieber immer wieder was Gesundes snacken, als lange gar nichts zu essen. Dies gilt eigentlich für jede Lebensphase 🙂

Pflege

Grundsätzlich ist es sehr sehr wichtig, ein gutes Shampoo zu verwenden. Wähle ein natürliches Shampoo, das dein Haar schützt und gleichzeitig deine Kopfhaut und dein Haar effektiv reinigt. Überprüfe die Etiketten damit zu sicher sein kannst, dass die Inhaltsstoffe natürlich und gesund für dein Haar sind. Achte darauf, dass das Shampoo keine Sulfate, Parabene, Silikone, Alkohole oder andere potenziell schädliche Chemikalien enthält. Vor allem Sulfate und Alkohole trocknen deine Kopfhaut aus. 

Wenn du ein sulfatfreies Shampoo verwendest, empfehle ich dir einmal im Monat doch noch mit einem sulfathaltigen Shampoo deine Kopfhaut richtig gut zu reinigen, ev. zusätzlich mit einer Kopfhautbürste. So kommt die Schicht bestehend aus Talg, Schweiss, Ölen, Staub und anderen Sachen richtig gut raus und die Kopfhaut kann wieder gut atmen. Hier kann auch eine Spülung mit Apfelessig helfen – ca. 3-4 Esslöffel auf 1 Liter Wasser, über die ganze Kopfhaut und Haare und nicht ausspülen. Keine Angst, der Duft verschwindet!

Vermeide auch zu schwere Pflegespülungen oder Leave-In Conditioners. Sie beschweren das Haar nur und lassen es dünner aussehen, als es ist. Conditioner für feines Haar sind gut geeignet. Auch hier lohnt es sich informiert zu sein, welche Silikone für das Haar in Ordnung sind – hier mal ein paar, die wasserlöslich und daher kein Problem sind: Dimethicone Copolyol, PEG/PPG Dimethicone, Silicone Quaternium-8.

Es gibt auch einige Produkte die spezifisch für Haarausfall im Wochenbett gedacht sind – hier bin ich selber noch am recherchieren und gebe hier gerne Bescheid, wenn ich eine Empfehlung machen kann.

DIY Haarpflege

Manche schwören auf Rizinusöl für ein schnellers Haarwachstum. Es kann gut sein, dass wenn du ein mal pro Woche eine richtig lange gute Kopfhautmassage mit Rizinusöl machst, dass deine Haare dann schneller wachsen werden. Nach der Massage (diese kannst du ja selber machen!) ein nasses, sehr warmes Tuch um deinen Kopf wickeln und 5 Minuten drauf lassen. Hier wäre es aber wichtig, dass das Öl dann auch wieder richtig von deiner Kopfhaut gewaschen werden kann – eventuell ist hier ein sulfathaltiges Shampoo notwendig.

Andere schwören auf Quark für die Haare. Regelmässig Quark in die Kopfhaut zu massieren kann tolle Ergebnisse haben, denn Quark nicht nur wie eine Maske wirkt und die Haare super pflegt, sondern auch eine Anti-Schuppen Wirkung hat und die Kopfhaut auf Vordermann bringt. Was auch super wirken kann – Quark mit einem Ei, etwas Olivenöl und Aloe Vera/Basilikumpaste mischen, eine Stunde drauf tun, dann zuerst mit kaltem Wasser spülen und wie gewohnt (gut) mit Shampoo waschen. 

Die Kopfhaut ist das Allerwichtigste!

Eins der wichtigsten Sachen ist aber die Pflege der Kopfhaut selber. Baue dies in deine wöchentliche Routine ein – eine gute, hochwertige Kopfhaut-Pflege. Beispiele dafür könnten sein:

  • Rizinusöl, Kokosöl, Rosmarinöl
  • Apfelessing-Rinse vor allem wenn im Wasser viel Kalk enthalten ist
  • Duschkopffilter gegen Kalk & Co.
  • eine Massagebürste speziell für die Kopfhaut
  • Kopfhautpflege mit Peeling-Effect wie bsp. Salicylsäure enthaltend
  • Wachstumsfördernde Kopfhautmasken und Kopfhautmassagen

Styling

Auch beim Styling gibt es einiges, das du tun kannst, um gegen erhöhten Haarausfall anzugehen bzw. die beim Wachstum neuer Haare eine Hilfe sind!

Trockenshampoo vermeiden

Bevor ich mich (Hannah) ausgiebig zum Thema Haargesundheit informiert habe, glaubte ich es sei besser, wenn ich die Haare nicht so oft wasche oder bürste. Dies entwickelte sich zu einer Gewohnheit, weil jedes Mal dabei so viele Haare ausgefallen sind, dass ich diese Abläufe schlichtweg einfach nicht mehr so gerne gemacht habe und dementsprechend vor mich hingeschoben habe. Das war aber leider nicht so eine schlaue Entscheidung – denn wenn du deine Haare nicht genügend wäschst, können sich Talg, Hautschuppen, Staub, Öle und Schweiss auf der Kopfhaut ansammeln und eine dünne Schicht bilden, die dann mit sanften Shampoos nicht richtig entfernt werden kann. Daher ist die Empfehlung – gerade bei Haarausfall – mit guten Produkten regelmässig – alle 2-3 Tage zu waschen. Auch wenn die Haare durchaus von weniger Waschen profitieren – gerade in dieser Phase zu lange Pausen einfach mit Vorsicht geniessen und niemals mit Trockenshampoo ersetzen!

Natürlich ist schön

Ein weiterer Ratschlag, den aber ziemlich subjektiv ist – komme in dieser Zeit möglichst zu deinen natürlichen Haaren zurück – mal fürs Erste! Vermeide es also in dieser Zeit die Haare super oft zu färben oder starke Gele/Sprays zu verwenden. Binde sie auch nicht allzu eng zusammen und warte noch etwas ab mit aufwändigen Frisuren oder Stylings. Nach spätestens einem Jahr kehrt es sich zum normalen Zustand zurück!

Schöne Tücher im Haar geben ein gutes Feeling – Photo Credit Tamara Bellis 

Alltagspflege

Bürste deine Haare nicht im trockenen Zustand, sondern entwirre sie lieber mit einer guten, leichten, silikonfreien Pflegespülung und deinen Fingern. Wenn du wirklich bürsten musst, dann nur nass, mit Spülung, und beginne ganz unten und schaffe dich sanft und vorsichtig zu den Haarwurzeln hoch. Ich benutze immer den Tangle Teezer – ein game changer (keine Werbung)! Und gerade wenn du die Haare bürstest – hier könntest du auch mit einem guten Leave-In arbeiten.

Nach dem Duschen empfiehlt es sich nicht mit einem Handtuch die Haare zu trocknen, sondern in ein T Shirt aus Baumwolle oder ein Mikrofasertuch wickeln. Dies ist viel schonender für die Haare und die Kopfhaut.

Vermeide auch Hitze, Glätteisen und Lockenstab – wenn du Föhnen musst, dann haarschonend (mit einem Schutzspray und nicht zu heiss).

Manchmal kann gerade etwas Styling eine rechte Hilfe für ein gutes Körpergefühl sein. Wie gesagt, nicht zu eng oder aufwändig – gut geeignet sind tief gelegene Knoten damit das Haar so liegen kann, wie es sonst würde. Womöglich mit Seiden-Haargummis oder Scrunchies zusammenbinden und wenn du es richtig fancy haben willst, dir einen Kissenbezug aus Seide besorgen. Was du auch gut einbauen kannst sind schöne Tücher – vorne als Haarband bsp. 

Dein Alltag als Mama

Folgende Aspekten des Mamalebens in Bezug auf Haargesundheit habe ich ausgiebig aber nicht immer freiwillig ( 🙂 )getestet und teile sie hier sehr gerne mit dir:

Gehe täglich an die frische Luft – etwas Sonne auf der Haut – auch auf der Kopfhaut – tut auch extrem gut. Natürlich aber nicht geeignet im Hochsommer über Mittag – bei starker Sonnenstrahlung unbedingt einen Hut oder UV-undurchlässiges Tuch am Kopf tragen.

Treibe regelmässig sanft bis moderater Sport – Trainings wie Kanga oder Pilates/Yoga mit Kind sind super. Auch gut genug – ein Workout-Video auf Youtube neben Baby auf der Spielmatte. Lieber 10 Minuten als gar nichts.

Schlafe so viel wie du kannst – versuche ein oder zwei mal pro Woche, richtig gute Nächte zu haben und hier auf Unterstützung des Partners/der Partnerin zählen. Vielleicht heisst das, bereits um 19:30 ins Bett gehen und andere Sache liegen lassen. Oder vielleicht heisst es, richtig gute Blackout-Vorhänge kaufen, damit du über den Mittag neben deinem Baby schlafen kannst. Tue was du kannst und lass dir von deinen liebsten helfen!

Halte dein Kaffe bzw Koffein-Konsum auf ein Minimum. Ersatzprodukte sind überall zu finden und auch super lecker.

Letztens: Pass auf bei Babies – verlorenes Haar kann sich um Fingern oder Zehen umwickeln, und ganz schön eng werden. Wenn du also unter starkem Haarausfall leidest – beim wickeln oder baden dein Baby kontrollieren!

Hoffentlich waren diese Tipps hilfreich und du bist nun informiert, welche Sachen du anpassen kannst, damit neue Haare wachsen. Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht? Lass uns gerne im Kommentarfeld wissen oder schicke uns gerne eine Nachricht!

Alles Liebe, Hannah

Quellen:

Kelly Bonyata, BS, IBCLC – Kelly Mom https://kellymom.com/bf/concerns/mother/hairloss/

Lynfield YL. Effect of Pregnancy on the Human Hair Cycle. The Journal of Investigative Dermatology (1960) 35, 323–327

American Academy of Dermatology https://www.aad.org/public/diseases/hair-loss/insider/new-moms

The Postpartum Telogen Effluvium Fallacy

Faculty of Medicine and Health Sciences, Universitat Internacional de Catalunya, Sant Cugat del Vallès, Spain

*Ramon Grimalt, MD, PhD, Faculty of Medicine and Health Sciences, Universitat Internacional de Catalunya

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